80 Jahre alt zu werden ist weit mehr als nur eine Zahl auf einer Geburtstagskarte. Dieser Lebensabschnitt bringt nicht nur einen erweiterten Horizont mit sich, sondern bewirkt auch einen grundlegenden Wandel in unserer Wahrnehmung von Beziehungen und unserem Platz in der Welt. Die meisten Menschen zählen in diesem Alter nicht einfach nur die vergangenen Jahre; sie blicken gleichzeitig zurück und in die Zukunft und versuchen zu beurteilen, ob diese Jahre erfüllend waren und es weiterhin sind. Es ist eine Zeit, in der die Qualität der täglichen Erlebnisse oft wichtiger wird als die Quantität des Lebens.
Das wirklich Bemerkenswerte an dieser Lebensphase ist, dass das Altern von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich verläuft. Das zeigt sich überall: Manche Menschen gelten mit 85 Jahren noch als jung, sind in hervorragender körperlicher Verfassung, reisen viel und stehen im Mittelpunkt ihres Umfelds. Andere wiederum ziehen sich aufgrund von gesundheitlichen Problemen, dem Verlust des Partners oder anderen Umweltfaktoren zunehmend zurück. Die Wissenschaft ist sich nahezu einig, dass es keine „Wunderlösung“ oder ein magisches Gen gibt, das all diese Unterschiede erklären kann.
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Ein Sinn im Leben.
Der wichtigste Einflussfaktor in diesem Jahrzehnt wird unser Sinn im Leben sein. Sinn im Leben finden wir im Erwachsenenalter oft mühelos. Wir sind, wer wir sind, weil von uns erwartet wird: Wir werden Führungskräfte, Eltern und Betreuer. Was geschieht, wenn diese Rollen wegfallen? Was geschieht, wenn uns die Struktur unserer Karriere im Stich lässt? Ohne Sinn wird alles sinnlos, denn es gibt nichts mehr, wofür es sich lohnt, jeden Tag aufzustehen.
Die wissenschaftlichen Belege hierfür sind überzeugend. Eine umfangreiche Langzeitstudie, veröffentlicht in Psychological Science, ergab, dass Menschen mit einem ausgeprägten Sinn im Leben tendenziell länger leben. Das Interessanteste an dieser Studie ist, dass dieser Effekt unabhängig von anderen Variablen, wie beispielsweise dem Rentenstatus oder dem emotionalen Zustand, besteht. Anders ausgedrückt: Ein Ziel, für das es sich lohnte, jeden Morgen aufzustehen, machte die Betroffenen nicht nur glücklich, sondern wirkte sich auch positiv auf ihre Lebenserwartung aus.
Der Sinn des Lebens muss nicht unbedingt etwas Großartiges oder Weltveränderndes im herkömmlichen Sinne sein. Das heißt nicht, dass man mit 82 Jahren ein Unternehmen gründen oder gar ein Buch schreiben muss (obwohl manche das tun). Vielmehr kann der Sinn im Leben mit einem Hobby wie Gärtnern, einem täglichen Spaziergang oder dem Tun für andere, wie ehrenamtlicher Arbeit oder der Betreuung der Enkelkinder, zusammenhängen. Am wichtigsten ist es, einen Sinn im Leben zu haben.
Dieses Konzept bildet das Fundament der Philosophie des Ikigai, was auf Japanisch „Lebenssinn“ bedeutet. Menschen, die diesen Lebensstil praktizieren, sind in Gegenden wie Okinawa bekannt, wo Langlebigkeit ein bekanntes Phänomen ist. Es handelt sich zwar um eine Philosophie, doch klinische Studien haben gezeigt, dass Menschen, die sich als Anhänger des Ikigai verstehen, tendenziell besser schlafen und weniger gesundheitliche Probleme haben. Wenn das Gehirn einen Sinn im Leben wahrnimmt, reagiert der Körper oft positiv.
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Soziale Kontakte:
Während innere Ziele die treibende Kraft sind, sind soziale Kontakte ihr Treibstoff. Es herrscht der weitverbreitete Irrglaube, dass wir mit zunehmendem Alter unsere sozialen Kontakte reduzieren sollten, weil wir „weicher“ würden. Das Gegenteil ist der Fall. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und das Alter ändert daran nichts.
Darüber hinaus können sich die negativen Auswirkungen mangelnder sozialer Interaktion auf vielfältige Weise äußern. Erstens wurde Einsamkeit in der Gesellschaft von Gesundheitsexperten, darunter dem US-amerikanischen Generalarzt, als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem identifiziert. Einsamkeit bei älteren Menschen lässt sich nicht allein auf Traurigkeit und Depression zurückführen. Vielmehr geht chronische Einsamkeit mit einem erhöhten Cortisolspiegel einher, einem Hormon, das häufig in Stresssituationen ausgeschüttet wird. Zudem beeinträchtigt sie das Immunsystem. Obwohl Einsamkeit nicht als direkte Krankheitsursache wie Viren gilt, stellt sie dennoch einen zusätzlichen Risikofaktor für verschiedene Gesundheitsprobleme dar.
Mit zunehmendem Alter, insbesondere ab 80, schrumpft das soziale Netzwerk häufig durch den Verlust von Freunden und Bekannten. Daher wird die Bedeutung des Aufbaus und der Pflege guter Beziehungen umso deutlicher. Ob wöchentliches Kartenspielen, Telefonate mit Geschwistern oder einfach nur ein kurzer Austausch mit Nachbarn – diese kleinen Beziehungen tragen dazu bei, geistige Klarheit und emotionale Widerstandsfähigkeit zu bewahren.
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