Fast jeder kennt diese Situation: Man öffnet den Kühlschrank, sucht eigentlich nur schnell etwas fürs Frühstück und entdeckt ganz hinten einen Becher Joghurt. Er sieht völlig normal aus, der Deckel ist nicht aufgebläht, und dann fällt der Blick auf das Datum. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist bereits seit einigen Tagen überschritten.
Bei mir war genau das früher der Moment, in dem ich unsicher wurde. Wegwerfen? Öffnen und probieren? Oder kann Joghurt tatsächlich noch deutlich länger haltbar sein, als das Datum auf dem Becher vermuten lässt? Gerade bei Milchprodukten ist man schließlich vorsichtiger als bei Nudeln oder Reis.
Viele Menschen entscheiden sich im Zweifel fürs Wegwerfen. Dabei wird häufig übersehen, dass auf einem Joghurtbecher normalerweise ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) steht und kein Verbrauchsdatum. Und genau dieser Unterschied ist entscheidend.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nämlich nicht automatisch: „Ab diesem Tag verdorben.“ Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller bei korrekter Lagerung bestimmte Eigenschaften des ungeöffneten Produkts, etwa Geschmack, Konsistenz, Geruch und Qualität. Ein Joghurt kann deshalb auch nach Ablauf des MHD noch genießbar sein.
Aber wie lange? Drei Tage? Eine Woche? Zwei Wochen oder sogar noch länger?
Eine pauschale Zahl, die für jeden Joghurt gilt, gibt es leider nicht. Entscheidend sind Lagerung, Verpackung, Sorte und vor allem der tatsächliche Zustand des Lebensmittels.
Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum sind nicht dasselbe
Bevor man einen Joghurt beurteilt, sollte man zunächst einen Blick auf die Formulierung neben dem Datum werfen.
Steht dort „mindestens haltbar bis“, handelt es sich um das Mindesthaltbarkeitsdatum. Nach dessen Ablauf muss das Lebensmittel nicht automatisch entsorgt werden. Bei richtiger Lagerung kann es weiterhin in Ordnung sein.
Anders sieht es bei der Angabe „zu verbrauchen bis“ aus. Ein Verbrauchsdatum wird bei besonders leicht verderblichen Lebensmitteln verwendet und sollte aus Sicherheitsgründen ernst genommen werden. Nach Ablauf sollte ein entsprechend gekennzeichnetes Produkt nicht mehr gegessen werden.
Bei klassischem Joghurt findet man üblicherweise ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Deshalb lohnt es sich, nicht ausschließlich auf die gedruckte Zahl zu schauen, sondern den Joghurt selbst zu beurteilen.
Also: Wie viele Tage nach dem MHD sind möglich?
Genau hier erwarten viele eine konkrete Zahl – beispielsweise sieben oder zehn Tage. So einfach lässt sich die Frage jedoch nicht seriös beantworten.
Ein ungeöffneter und durchgehend ausreichend gekühlter Joghurt kann oft auch einige Zeit nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch einwandfrei sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Becher automatisch noch nach einer bestimmten Anzahl von Tagen gegessen werden sollte.
Ein Joghurt, dessen MHD gestern abgelaufen ist, kann verdorben sein, wenn die Kühlkette längere Zeit unterbrochen wurde. Ein anderer Becher kann dagegen auch später noch vollkommen unauffällig sein, wenn er ungeöffnet und zuverlässig gekühlt gelagert wurde.
Deshalb ist das Datum nur ein Teil der Beurteilung.
Ich gehe bei einem abgelaufenen Joghurt inzwischen immer nach demselben Prinzip vor: Verpackung ansehen, öffnen, Oberfläche kontrollieren und Geruch prüfen. Erst wenn alles unauffällig ist, kommt der Joghurt überhaupt infrage.
Der erste Blick sollte auf den Becher gehen
Noch bevor der Deckel geöffnet wird, kann die Verpackung wichtige Hinweise liefern.
Ist der Becher beschädigt? Ist irgendwo Flüssigkeit ausgetreten? Ist die Versiegelung nicht mehr richtig geschlossen? Oder wirkt der Deckel ungewöhnlich stark aufgebläht?
Dann sollte man vorsichtig sein.
Ein deutlich aufgeblähter Behälter kann auf unerwünschte mikrobielle Aktivität und Gasbildung hinweisen. In diesem Fall würde ich nicht versuchen, durch Probieren herauszufinden, ob der Inhalt noch gut ist.
Auch beschädigte oder undichte Verpackungen sind ein Grund, das Produkt lieber zu entsorgen.
Sieht der Becher dagegen genauso aus wie beim Kauf und wurde er durchgehend gekühlt, kann man zur nächsten Prüfung übergehen.
Nach dem Öffnen entscheidet der Blick
Jetzt kommt der Moment, bei dem viele sofort erkennen, ob sich die Sache erledigt hat.
Schimmel ist ein eindeutiges Warnsignal.
Dabei muss nicht der gesamte Joghurt mit Schimmel bedeckt sein. Bereits kleine ungewöhnliche grüne, blaue, schwarze, rosafarbene oder pelzige Stellen sind ein Grund, den kompletten Becher zu entsorgen.