Man sollte bei Joghurt nicht einfach die sichtbare Stelle entfernen und den Rest weiteressen.
Bei einem flüssigen oder weichen Lebensmittel können sich Mikroorganismen beziehungsweise ihre Strukturen über Bereiche ausbreiten, die mit bloßem Auge nicht eindeutig zu erkennen sind.
Deshalb gilt: Schimmel entdeckt – ganzen Joghurt wegwerfen.
Etwas Flüssigkeit auf dem Joghurt bedeutet dagegen nicht automatisch Verderb
Dieser Punkt sorgt erstaunlich häufig für Verwirrung.
Man öffnet einen Joghurt und sieht oben eine dünne, leicht gelbliche oder transparente Flüssigkeit. Manche halten sie sofort für ein Zeichen dafür, dass der Joghurt schlecht geworden ist.
Das muss überhaupt nicht der Fall sein.
Bei der Flüssigkeit handelt es sich häufig um abgesetzte Molke. Während der Lagerung kann sich ein Teil davon vom festeren Joghurt trennen und an der Oberfläche sammeln.
Ist der Joghurt ansonsten normal, kann man sie normalerweise einfach wieder unterrühren.
Das Gleiche gilt für leichte Veränderungen der Konsistenz. Joghurt ist ein fermentiertes Produkt und kann sich während der Lagerung etwas verändern. Entscheidend ist, ob diese Veränderungen noch typisch wirken oder eindeutig auf Verderb hindeuten.
Dann kommt der Geruch
Nach dem Aussehen ist der Geruch einer der wichtigsten Hinweise.
Joghurt besitzt von Natur aus einen leicht säuerlichen Geruch. Das macht die Beurteilung manchmal schwieriger, denn „sauer“ bedeutet bei Joghurt nicht automatisch „verdorben“.
Man kennt jedoch meistens ungefähr den typischen Geruch der Sorte, die man regelmäßig kauft.
Riecht der Inhalt plötzlich unangenehm, gärig, hefig, faulig oder schlicht völlig anders als erwartet, sollte man ihn nicht mehr essen.
Hier hilft ein ziemlich einfaches Prinzip: Wenn man bereits beim Riechen zurückschreckt und sich fragt, ob das wirklich noch normal sein kann, lohnt es sich nicht, wegen eines Bechers Joghurt ein unnötiges Risiko einzugehen.
Und was ist mit Probieren?
Der berühmte „kleine Löffel zum Testen“ sollte nicht die erste Prüfung sein.
Zuerst kommen Verpackung, Aussehen und Geruch. Gibt es dabei bereits ein eindeutiges Warnsignal, wird nicht probiert.
Nur wenn der Joghurt korrekt gelagert wurde und vollkommen unauffällig aussieht und riecht, kann bei einem Produkt mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum eine kleine Geschmacksprüfung zusätzlich bei der Qualitätsbeurteilung helfen.
Schmeckt er deutlich ungewöhnlich, bitter, gärig oder anders als gewohnt, sollte man ihn nicht weiteressen.
Wichtig ist aber auch: Unsere Sinne erkennen nicht jede mögliche gesundheitliche Gefahr. Der Sinnescheck ist deshalb keine Garantie für Lebensmittelsicherheit und ersetzt insbesondere bei einem Verbrauchsdatum nicht dessen Beachtung.
Geöffnet ist eine ganz andere Situation
Ein Detail wird bei Diskussionen über abgelaufenen Joghurt häufig vergessen: Es macht einen großen Unterschied, ob der Becher noch original verschlossen ist oder bereits geöffnet wurde.
Ein ungeöffneter Becher ist durch seine Verpackung wesentlich besser vor Verunreinigungen geschützt.
Sobald man ihn öffnet, können Mikroorganismen aus der Umgebung hineingelangen. Auch ein benutzter Löffel kann zusätzliche Keime einbringen.
Deshalb sollte man sich bei einem bereits geöffneten Joghurt nicht mehr einfach am ursprünglichen Mindesthaltbarkeitsdatum orientieren. Hinweise des Herstellers wie „nach dem Öffnen gekühlt lagern und innerhalb von … Tagen verbrauchen“ sind dann besonders relevant.
Ich schreibe bei größeren Bechern inzwischen manchmal sogar das Öffnungsdatum auf den Deckel. Das klingt zunächst etwas übertrieben, ist aber erstaunlich praktisch. Nach ein paar Tagen muss man nicht mehr überlegen, ob man den Becher vorgestern oder bereits am vergangenen Wochenende geöffnet hat.
Die richtige Lagerung macht einen enormen Unterschied
Joghurt gehört zuverlässig in den Kühlschrank. Je stabiler die Kühlung, desto besser sind grundsätzlich die Bedingungen für seine Haltbarkeit.
Problematisch wird es beispielsweise, wenn der Becher nach dem Einkauf längere Zeit in einem warmen Auto liegt, beim Frühstück eine halbe Ewigkeit auf dem Tisch steht und anschließend wieder zurück in den Kühlschrank wandert.
Gerade im Sommer sollte man darauf achten.
Wer einen längeren Einkaufsweg hat, kann für gekühlte Produkte eine Kühltasche verwenden. Das ist besonders bei hohen Außentemperaturen sinnvoll.
Auch im Kühlschrank selbst herrscht übrigens nicht überall exakt dieselbe Temperatur. Die Tür ist durch das ständige Öffnen stärkeren Temperaturschwankungen ausgesetzt. Für empfindliche Lebensmittel ist ein konstant kalter Bereich des Kühlschranks meist die bessere Wahl.
Naturjoghurt und Fruchtjoghurt können sich unterschiedlich verändern
Nicht jeder Joghurt ist gleich zusammengesetzt.